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Strasse des Exils - Weit?...Von wo?, 2008
Eröffnung: 17.01.08, 18.30, with Konstantin Kaiser
Ausstellungsdauer: 18.01 - 17.02.08, 18.30 - 19.30

Begleitprogramm :
24. Jänner 2008, 19.30, Lesung: Rhea Krcmárová, Hamid Sadr, Vladimir Vertlib
01.02.08, 19.30, Lesung: Sama Maani, Julya Rabinowich
11.02.08, 19.30: "Weit?...Von wo?"
Diskussion: Ute Bock, Veronika Bilger (ICMPD), Elisabeth Freithofer
(Integrationshaus Wien), Anny Knapp (Asylkoordination Österreich)
Moderation: Peter Huemer
17.02.08, 19:30: Finissage
Peter Huemerim Gespräch mit Jirí Gruša (President of the Internationalen PEN Club and of the Diplomatic Academy of Vienna)

Initiiert vom Volkstheater Wien
gefördert von: Nationalfonds der Republik Österreich, Zukunftsfonds der Republik Österreich, BKA Kunst&Kultur und Volkstheater Wien.
Kooperationen mit der edition exil, Literaturhaus Wien, Österreichsche Gesellschaft für Exilliteratur and the Theodor Kramer Gesellschaft.


Mutterland
Mein Vaterland ist tot
sie haben es begraben
im Feuer
Ich lebe in
meinem Mutterland
Wort

Rose Ausländer, aus: Ich hörte das Herz des Oleanders
Gedichte 1977 - 79, Mutterland, S.Fischer Verl., Frankfurt a. M, 1984, S 98


Die Ausstellung Strasse des Exils - Weit?...Von wo? forscht den unterschiedlichsten Wegen und Beweggründen der österreichischen ExilliteratInnen nach.

Sie ist der Versuch einer geographischen und emotionalen Verortung der Geschichte der emigrierten AutorInnen.
Die Thematik umfasst die Dimensionen und Auswirkungen des Raum-, Sprach- und Heimatverlustes für die Arbeit und das Leben der emigrierten Schriftsteller.
Dies beinhaltet auch den Umgang mit dem Herkunftsland Österreich.

In zwei rotierenden, begehbaren Zylindern lassen sich die in Kartographien verarbeiteten
Biographien und Texte der ExilliteratInnen ablesen. Sie stellen einem Panoptikum gleich eine Zeit und ihre vielen Geschichten dar.
An zwei Audiostationen sind Originalaufnahmen österreichischer ExilautorInnen, sowie heute in Österreich in der Emigration lebender SchriftstellerInnen, zu hören.

Bearbeitete österreichische ExilliteratInnen sind unter Anderen Jean Améry, Rose Ausländer,
Gerhard Bronner, Theodor Kramer, Jakov Lind, Stella Rotenberg, Berthold Viertel, ruth weiss und Stefan Zweig, sowie AutorInnen, die heute im Exil in Österreich leben: Rhea Krcmárová, Sama Maani, Julya Rabinowich, Hamid Sadr, Vladimir Vertlib.

Straße des Exils- Weit?...Von wo? reicht von den vom NS- Regime zur Emigration gezwungenen österreichischen AutorInnen bis zu den heutzutage in Europa von Repressalien betroffenen SchriftstellerInnen. Die Themen spannen sich von einer Heimatkonstruktion bis zum Heimatbegriff im Zusammenhang mit Sprache der Exilliteratur (damals und heute), von den kulturellen und räumlichen Brüchen und den damit einhergehenden Sprachverlusten bis zum künstlerischen Ausdruck dieser existenziellen Lebenssituationen.
In dieser Forschung wird Sprache als Identität und Raum stiftende Dimension verstanden.

"[...] ein Problem, mit dem sämtliche Auswanderer sich auseinanderzusetzen hatten, das aber für mich und meine Berufsgenossen von zentraler Bedeutung war. Es geht um die Sprache, vielmehr um deren Verlust. Jeder, der die Heimat verließ, hatte diese Barriere zu überwinden [...] Denn wenn es auch im Bereich der Möglichkeit schien, ein anderes Idiom, in diesem Fall das englische, eines Tages hinreichend zu beherrschen: würde jene Einzigartigkeit, jene Unverwechselbarkeit, die man als raison d'être der eigenen Kunstausübung ansah, darauf übertragbar sein?"
(Hilde Spiel, Psychologie, 1975, S. 433)

„...zugleich reicher und ärmer macht"
(Jean Amery über die Erfahrung des Exils und die „neue“ und „alte“ Sprache)

"(...)Wir sprechen die Sprachen die nicht unser sind (...)Wir haben keine Heimat"
(Stella Rotenberg, Ohne Heimat, “Scherben sind ein endlicher Hort”, Wien: Verl. für Gesellschaftskritik, S 30)
und
Ungewissen Ursprungs
Ich bin unbekannt in jedem Land./ In jedem Lande bin ich unbenannt./ Ist keiner da, der mich beim Namen nennt./ Ist keiner da, der meinen Namen kennt.//
Ich bin unbestätigte Vergangenheit./ Ich lebe. Doch ist keiner, nah noch weit,/ der bezeugen kann, daß ich entsprungen war,/ wie andre Menschen, einem Menschenpaar.
(Stella Rotenberg, “Scherben sind ein unendlicher Hort. Ausgewählte Lyrik und Prosa”, Wien: Verl. für Gesellschaftskritik, 1991, S 46)