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„Ich bin Zeuge!“ 2014

Eine (Ge)denksoirée von Veronika Barnaš und Susanne Scholl
mit Berichten, Filmbeiträgen, Performances

Sonntag, 9. November 2014, 19.30 Uhr, Volkstheater
Mit: Till Firit, Fanny Krausz, Stefan Horvath, Rosa Gitta Martl (Verein Ketani), romanosvato (Sandra Selimović, Simonida Jovanovic), Dora Schimanko, Anna Femi, Sheri Avraham, Ilja Sichrovsky (Muslim Jewish Conference), Bettel Lobby.

„Die Verbrechen von damals dürfen nie vergessen werden - umso mehr dürfen wir heute vor den Verbrechen an Menschen und unserem Verhalten ihnen gegen über nicht die Augen verschließen - "Nie wieder!" darf nicht zu einer Worthülse verkommen, jenseits jedes Vergleiches und Opferzahlen.

76 Jahre ist es her, dass in Deutschland und Österreich jüdische Geschäfte geplündert wurden, Synagogen und Bethäuser brannten und jüdische Menschen gefoltert und ermordet wurden – und damit die Shoa ihren Anfang nahm. Aber, obwohl ganze Generationen mit dem Slogan „Nie wieder“ aufgewachsen sind, zeigt sich heute, dass Verfolgung, Mord und Totschlag an Menschen, die nicht zur Mehrheit gehören, immer noch an der Tagesordnung sind. Die Opfer haben in der Regel keine Lobby und die Mehrheit schaut immer noch lieber weg, als Zivilcourage zu beweisen.

Vor diesem Hintergrund soll am 9. November 2014 im Volkstheater Wien das Ungeheuerliche noch einmal bedacht – und das heute Ungeheuerliche angeprangert werden. Zeuge sind die, die Mord und Verfolgung damals erlebt und überlebt haben. Zeuge sind aber auch jene, die heute um ihr Leben laufen müssen – und in Österreich durchaus nicht mit offenen Armen aufgenommen werden.
Und Zeuge sind schließlich die, die wissen, wie viele Tote durch das Wegschauen damals möglich wurden und die auch deshalb heute nicht wegschauen wollen. Die Zeugen stehen im Vordergrund dieser Soirée – Zeugen für Unrecht, Folter, Mord und Verfolgung und auch die Zeugen für Zivilcourage und Widerstand gegen Unmenschlichkeit.“ Susanne Scholl

Neben Antisemitismus werden auch Rassismus, diverse Ausgrenzungen und (sprachliche) Stigmatisierung von Schwächeren und Randgruppen in unserer Gesellschaft, sowohl von Seiten der Politik als auch jeder/m Einzelnen, thematisiert - Stichwort: Umgang mit Asylsuchenden, Flüchtlingen, BettlerInnen und Obdachlosen. Ein besonderer Fokus ist auf die Situation der Roma und Sinti damals und heute gerichtet.

Drei Videointerviews leiten durch den Abend: Dora Schimanko (Holocaust Überlebende), Stefan Horvath (seine Eltern überlebten KZs, sein Sohn starb bei dem Bombenattentat von Franz Fuchs in Oberwart) sowie Rosa Gitta Martl und Nicole Sevik (Verein Ketani für Sinti und Roma in Linz). Dazwischen lesen eine Schauspielerin und ein Schauspieler historische und aktuelle Texte aus Gesetzen, Zeitungen, Interviews, Dokumenten etc. zu oben genannten Themen. ZeugInnen aus dem Publikum erzählen von ihren Erlebnissen bzw. geben Statements zur „Erinnerungskultur“ ab.

Eine gemeinsame Veranstaltung mit dem österreichischen Parlament.
„Ich bin Zeuge!“ findet im Gedenken an Mag. Barbara Prammer statt.

Photos: Marko Lipus